Dank World Wide Web

Gesellschaft von überinformierten Besserwissern?

 

Eine nicht geringe Anzahl von Mandanten kommt zur anwaltlichen Rechtsberatung und bringt die "Lösung" ihres Falles bereits ausgedruckt mit. Sie haben stundenlang und exzessiv gegoogelt. Sie meinen, mit dieser "Fachschau" zu ihrem Problem, sei ihrem Rechtsberater kräftig unter die Arme gegriffen und die Lösung als www-abgesegneter Vorschlag nur noch ein Klacks der Rechtsfindung. Ausserdem müsse diese "Vorarbeit" unbedingt auf die Höhe des Honorars durchschlagen.

 

In Wahrheit jubeln sie Ihrem Anwalt die doppelte Arbeit unter.

 

Einmal muss dieser aus seiner professionellen Sicht die zutreffende Lösung erarbeiten,
zum anderen muss er gesondert das gegoogelte Kompendium dem Mandanten nahezu immer widerlegen und ausreden, was durchaus die größere Anstrengung für ihn bedeuten kann.

Dank WWW geht es nicht nur den Juristen so, auch Ärzte wissen ein hohes Lied davon zu singen, wenn die gegoogelte Eigendiagnose ihnen offeriert wird.

 

Wir reden nicht das Wort dem desorientierten Kunden, Klienten, Patienten oder Mandanten. Wir sagen nur, es wäre an der Zeit, begreiflich zu machen, dass das Erfassen und Verstehen von Zusammenhängen in den jeweiligen Fachgebieten nicht durch enumerative Stoffsammlungen ersetzt werden können.

 

Das war eigentlich schon immer so, nur heute meint der problemgeplagte Surfer, aus der grenzenlosen Fülle des Informationspotentials des WWW auf jeden Fall seine Lösung selbst werkeln zu können.

 

Ein alter und zugleich höchst moderner Irrtum!