Trau, schau, wem!

 

Die alten römischen Rechtsgelehrten wußten genau um diese drei "Begriffe".

Für sie war das ein Fundamentalsatz im zivilen Vertragsrecht. Und heute in der Praxis wird gerade diese einfache Formel viel zu oft auf allen Ebenen missachtet.

 

Was bedeutet das in der zivilrechtlichen Praxis?

 

Das grundsätzliche Vertrauen ermöglicht erstmal die notwendigen Kontakte. Das gilt überall. Auf Messen, im Internet, im Kaufhaus, in jeder sich anbahnenden Geschäftsbeziehung. Ohne sowas laeuft gar nichts.

 

Das Schauen ist schon qualifizierter. Also beobachten Sie das Objekt und alle Umstaende, die damit einhergehen.
Beispiele:
ein Investor, der sich an einer Fondgesellschaft zum Immobilienerwerb beteiligen will, schaut nicht nur ins Glanzprospekt, er macht eine kleine Reise zur Immobilie selbst. Er kontaktiert seine künftigen Mitgesellschafter und fragt die ein Loch in den Bauch. Das Gleiche sollte er mit seinem Anwalt machen.

Der Surfer schaut sich mal genauer das Impressum an. Wenn er das schon nicht findet, sollte er sehr misstrauisch werden.
Wer am Telefon von einer säuselnden Verkaufsstimme erwischt wird, sollte entweder doofe Fragen stellen und/oder kalt auflegen.

Das Schauen muss gründlich sein und auch vermeintlich Nebensächliches einbinden, also

z. B.
beim Geschäft unter Anwesenden: wie sehn denn die Leute aus? Herausgeputzt oder gewissermassen solide? Drücken sie auf die Zeit? Wie fundiert reden sie überhaupt?

 

Beim Geschäft unter Abwesenden: was gibt es für neutrale Informationen zum Geschäftssitz?
Ist das verwendete Geschäftspapier stimmig? Bleiben die am Telefon geduldig?

All dies gibt null Garantie, aber weiteren Aufschluss, ob mit dem Deal mal was werden könnte.

 

Die letzte Stufe "wem" ist die heikelste von allen.

Niemand schaut ganz in die Vertragsperson hinein. Aber es gibt Sicherungen, wenn man die richtigen Fragen stellt.
Wer ist das überhaupt, mein Vertragspartner?

Eine Firma? Und welche? Ein Einzelunternehmen mit einem Inhaber? Eine Gesellschaft buergerlichen Rechts? Eine Kapitalgesellschaft? Und welche, mit welchen vertretungsberechtigten Personen? Sind die im Handelsregister eingetragen, seit wann und an welchem Ort?

Wer hier nachlässig ist, bekommt die Quittung bald, wenn eine Störung des Abschlusses später eintritt. Denn wie soll man einen Anspruch zügig verfolgen, wenn der erste Aufwand schon darin besteht, überhaupt herauszufinden, auf wen man sich eingelassen hat.
Das Handelsregister hilft nicht immer. Einmal kann es unrichtig sein, zum anderen müssen sich nicht alle eintragen lassen.
Aber es werden noch viel einfachere Fehler gemacht. Der vetretungsberechtigte Angestellte macht am Telefon einen Abschluss und schreibt auf die Rechnung brav, was ihm der Käufer am Telefon mitgeteilt hat, meist Fa xy plus Adresse. Es soll ja schnell gehen, wenn man sonst wenig Umsatz hat.
Ware wird geliefert, gezahlt nicht!
Es ist nicht zu fassen, wie oft in der Praxis sowas vorkommt.
Der beauftragte Rechtsanwalt wird erst mal zum Detektiv. Das kostet eine Unmenge Zeit, um überhaupt die Zustellungsvoraussetzungen für die Rechtsverfolgung sicher zu stellen. Bis das geschafft ist, kann sich der Schuldner längst verdröselt haben (andere Adresse, neuer Geschäftssitz, ein Strandurlaub in den Offshore-staaten).

 

Also: Fide, sed cui, vide!